Der historische Hotel-Gasthof "Wilder Mann" zu Rückersdorf leitet seinen Namen
von dem Reichsministerialgeschlecht der Rüdiger ab, die schon um 1200 hier saßen
und den Wald rodeten.
Der alte, traditionsreiche "Gasthof zum Wilden Mann" erscheint bereits 1599 auf
einer Zeichnung der berühmten Kartographen der Freien Reichsstadt Nürnberg, des
Patriziers Paul Pfinzing. Im Jahre 1623, mitten in den Wirren des Dreißigjährigen
Krieges, richtete Freiherr Lamoral von Taxis, von Kaiser Matthias mit den
Postgerechtesamen des Reiches belehnt, im "Wilden Mann" eine Posthalterei ein,
denn der Gasthof lag an der ältesten Poststraße des Reiches, dei von Köln über
Frankfurt an den Hof des Kaisers führte. Seitdem war der Wirt auch stets
"Kaiserlicher Reichsposthalter", ein Amt, das von den Grafen von Thurn und Taxis
aber "nur an Persönlichkeiten lauteren Rufes, soliden Vermögens und peinlichster
Akkuratesse" vergeben wurde.
Diese verpflichtende Tradition wird im "Wilden Mann" noch heute hochgehalten.
"Klaglos" wurde der Gast - wie es in einer alten Urkunde heißt - immer bewirtet,
denn sonst wären die reichen Bankiers Rothschild auf Ihren Reisen von Frankfurt
nach Prag und Wien nicht hier abgestiegen.
Kaiser und Könige, Fürsten und Diplomaten, Geistliche und Offiziere, Kauf- und
Fuhrleute, Studenten und mancher Wandersbursch' zogen im Lauf der Jahrhunderte
die alte Handelsstraße, die heute "Bundesstraße 14" heißt, entlang, und oft war
der "Wilde Mann" Herberge für sie.
1629 war der Gasthof Standquartier der Kosaken, Wallenstein belegte ihn 1631 mit
seinem Hoffstaat, Gustav Adolf war 1632 zu Gast, der Herzog von Weimar übernachtete
1633 aus Feucht kommend hier, 1796 waren preußische Husaren und französische
Revolutionstruppen beherbergt, und 1812/13 weilte Zar Alexander von Rußland im
"Wilden Mann". Sichtbarer Ausdruck der bewahrten Tradition im "Wilden Mann" sind
unter anderem die Wappentafeln alter Nürnberger Patriziergeschlechter in der
"Fränkischen Stube". Bewegte Zeiten hat der "Wilde Mann" hinter sich, und heute
sind nicht mehr Feldherren und gekrönte Häupter, sondern Geschäfts- und
Urlausreisende gerne Gast im "Wilden Mann", denn der heutige Wirt und Eigentümer
weiß um die Tradition seines Hauses und fühlt sich - wie ehedem die
Kaiserleichen Posthalter - stets zu "peinvollster Akkuratesse" verpflichtet.
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